Dr. Irmgard Singh, Hopizbewegung Salzburg, Verein für Lebensbegleitung und Sterbebeistand, Morzgerstr. 27, A-5020 Salzburg, Tel. ++ 43 / 6 62 / 82 23 10, Fax. ++ 43 / 6 62 / 82 23 06, info@hospiz-sbg.at
Zahlreichen Untersuchungen zufolge wünschen 80 - 90% aller Menschen zuhause, in der vertrauten Umgebung und im Kreise ihrer Angehörigen zu sterben. Bisher sieht die Realität anders aus. Lediglich 15% der Sterbenden wird dieser Wunsch erfüllt.
Eine Vielzahl von Faktoren entscheidet über die Machbarkeit im Einzelfall.
Die Rollen und Bedeutung der einzelnen Personen und Organisationen im Betreuungsnetz werden betrachtet.
- Patienten :
Um den Wunsch des Patienten zu erfahren, sollten Gespräche mit ihm in ruhiger Atmosphäre und ohne Druck geführt werden. Manches Mal traut sich der Kranke nicht, seinen Wunsch nach einem Sterben zuhause zu äußern, weil er seine Familie nicht belasten, es ihr nicht zumuten will. Viele Menschen glauben außerdem, dass nur in Spitälern und Seniorenheimen gestorben werden kann. Einfühlsame Gespräche über die letzten Dinge können viele Ängste mildern. Aus unserer Erfahrung sind die Fantasien der Betroffenen oftmals wesentlich dramatischer als die Wirklichkeit.
- Angehörigen:
Die Angehörigen stehen im Spannungsfeld zwischen Erfüllung dieses Wunsches und der eigenen Unsicherheit, ob sie dieser Aufgabe gewachsen sind. Sie brauchen sehr viel Ermutigung durch uns Profis in Wort und Tat. Mögliche Komplikationen sollen klar, aber undramatisch thematisiert werden. Sowohl Angehörige als auch der Kranke fürchten Atemnot und Erstickungsanfälle. Schriftliche Empfehlungen für den Notfall und Bereitstellung der notwendigen Medikamente können die Ängste mildern und ermöglichen besonnenes Handeln. Telefonische Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit und regelmäßige Hausbesuche durch unser Team vermitteln zusätzliche Sicherheit.
Um einer Überforderung der Familie entgegen zu wirken, ermutigen wir zu regelmäßigen Inselzeiten und helfen einen realistischen Betreuungsplan zu erstellen.
- Krankenhaus/ Stationäres Hospiz:
Ärzte und Pflegepersonen im stationären Bereich sollten sich ihrer großen Verantwortung bewusst sein, Angehörige sehr schnell durch eigene Zweifel verunsichern zu können. Wünschenswert ist es, den Patienten und dessen Angehörigen in ihrem Bestreben nach häuslicher Betreuung zu unterstützen und die Rückkehr ins Krankenhaus als letzten Rettungsanker anzubieten.
- Umfeld (Freunde, Nachbarn):
Sinnvoll ist es, die vorhandenen Ressourcen durch Freunde und Nachbarn in das Betreuungsnetz einzubinden. Andererseits kann Übereifer auch zu einer erheblichen Belastung der betroffenen Familie führen.
- Hausarzt:
Hausärzte sind oft dankbar für die Entlastung durch das Hospizteam, da sie in ihrer Ordination zeitlich sehr eingespannt sind.
- Hauskrankenpflege:
Die Unterstützung durch ein kompetentes und zuverlässiges Team der Hauskrankenpflege ist in den meisten Fällen unerlässlich. Unsere Dienste sind kein Ersatz für Hauskrankenpflege.
- Mobiles palliatives Team:
Die Einbindung eines mobilen palliativen Teams in die häusliche Betreuung gibt zusätzliche Sicherheit, insbesondere in Fragen der Schmerztherapie und Symptomkontrolle.
- Ehrenamtliche Hospizbegleiter:
Gut vorbereitete ehrenamtliche MitarbeiterInnen können einen wichtigen Platz in der psychosozialen Begleitung innerhalb der Familie einnehmen. Sie stehen für Gespräche mit dem Patienten und dessen Familie zur Verfügung und können zeitweise die Angehörigen in der Betreuung ablösen.
- Tageshospiz:
Die Möglichkeit des tage weisen Aufenthaltes im Tageshospiz entlastet die Familien und stabilisiert das gesamte System. Die Mitarbeiter des Tageshospizes kümmern sich um alle organisatorischen, pflegerischen und medizinischen Belange und tragen erheblich zur Vernetzung aller Beteiligten bei.
- Seelsorge:
Spirituelle Fragen und Nöte spielen am Ende des Lebens oft ein große Rolle. Gegebenenfalls empfehlen wir die Kontaktaufnahme zu einem geeigneten Seelsorger.
Eigene Erhebungen:Seit 01.01.2006 sind insgesamt 28 von uns betreute Patienten verstorben. Davon
14 (50%) zuhause
6 (21%) im Heim
5 (18%) Spital
3 (11%) Helga Treichl Hospiz.